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Interpret:
Neil Young
Biographie
"They all sound the same" schreit jemand aus dem Publikum. "It’s all one song" antwortet Neil Young ruhig, bevor er beginnt, auf der '97 Liveplatte "Year Of The Horse" in die Saiten seiner Gitarre zu hauen.

Besser ist der kanadische Musiker kaum zu charakterisieren. Nicht, weil seine Lieder alle gleich klingen, sondern weil sie fern von sonst üblichen Elementen wie Glamour, Mode und Verkaufszahlen entstehen und sich so durch eine ganz besondere Konsequenz auszeichnen.

In den 40er Jahren in der kanadischen Provinz aufgewachsen, zieht es ihn 1963 nach Toronto, wo er als Folk-Songwriter durch die Clubs tingelt und in Joni Mitchell und Stephen Stills verwandte Seelen trifft. 1966 siedelt er nach Los Angeles um und gründet mit Stills die Folk-Rock Gruppe "Buffalo Springfield." Die Zusammenarbeit dauert zwei Jahre und führt mit drei veröffentlichten Platten zu den ersten Erfolgen.

1969 erscheint "Neil Young", das erste Soloalbum. Anerkennung kommt jedoch erst mit seinem zweiten Werk, "Everybody Knows This Is Nowhere." Mit "Cinnamon Girl," "Cowgirl In The Sand" und "Down By The River" enthält es drei seiner berühmtesten Lieder - die er, im typischen Young-Stil, an einem einzigen Tag schrieb, als er mit Grippe im Bett lag. Auf der Scheibe arbeitet er zum ersten Mal mit Crazy Horse zusammen, die Gruppe, die ihn bis heute immer wieder begleiten wird. Im August tritt er mit "Crosby, Stills und Nash" beim Woodstock Festival auf. CSN&Y wird eine der erfolgreichsten Gruppen des Folk-Rock Genres; Young verlässt sie zwar 1971, ist aber immer wieder für ein Reunion-Album gut, zuletzt 1999 mit "Looking Forward."

Parallel veröffentlich er 1970 "After the Gold Rush," ein Erfolg, der den Weg für das '72er "Harvest" eröffnet, das Album, das ihn zum Superstar macht. In Nashville aufgenommen und zwischen Folk, Pop und Country angesiedelt, wird es in den USA zur meistverkauften Platte des Jahres. Mit "Heart Of Gold" enthält es zudem sein bekanntestes Lied.

Es folgt eine erste Phase der introspektiven Haltung. Bis 1978 veröffentlicht er sieben meist düstere und pessimistische Alben, aus denen lediglich "Zuma" (1975) mit dem Klassiker "Cortez the Killer" hervorsticht - eine Einstellung, die mit dem Drogentod verschiedener Personen in seiner nächsten Umgebung sowie mit der Geburt eines geistig behinderten Sohnes in Verbindung gebracht wird.

1979 ist Young plötzlich wieder da - von Crazy Horse unterstützt nimmt er mit "Rust Never Sleeps" das Album auf, das Anfang der 90er Jahre als Geburtsstunde des Grunge gilt. Auf der ersten Seite gibt sich das Combo wie gewohnt akustisch, um auf der zweiten mit Feedback und Verzerrern loszulegen. Mit "My My, Hey Hey (Out Of The Blue)" (akustisch) und "Hey Hey, My My (Into The Black)" (heavy) enthält es die Hymne des unangepassten Rockers - der Vers "It’s better to burn out than to fade away" wird 1994 in Kurt Cobains Abschiedsbrief stehen.

Wenige Monate später erscheint "Live Rust" (mit dazugehörigem Film), die Momentaufnahme einer typischen Neil-Young-Performance, mal mit Mundharmonika und Akustikgitarre, mal Unendlichkeiten lang mit dem Korper wippend in ohrenbetäubenden Feedbackorgien vertieft - die zwei Seiten seines musikalischen Schaffens.

1978 kommt sein zweiter Sohn zur Welt, von der gleichen Krankheit befallen wie der erste. Die Folge ist, dass der Musiker für einen großen Teil der 80er Jahre aus dem Blickfeld verschwindet. Zwar erscheint fast jährlich eine neue LP, doch er verliert sich zwischen Country, Rock'n'Roll und, mit dem '82 "Trans," gar in elektronische Gefilde à la Kraftwerk. Der Tiefpunkt dürfte das peinliche, mit Synthie und Kinderchor aufgenommene "Landing On Water" (1986) sein, das zu einem Rechtsstreit mit seinem Label führt ('unverkäuflich', lautet der Vorwurf).

Mit dem bluesigen "This Note's For You" gewinnt er 1988 mit dem dazugehörigen Anti-Video-Video einen MTV-Award, obwohl der Sender sich geweigert hat, es auszustrahlen: In einer Szene erscheint ein Michael-Jackson-Doppelgänger, dessen Haaren in Flammen aufgehen, um von einer Whitney-Houston-Doppelgängerin mit Pepsi gelöscht zu werden. Es ist der Neubeginn; das 89er "Freedom" erhält mit "Rockin' In The Free World" eine Hymne in bester Young-Tradition, die Nachfolger "Ragged Glory" und "Weld," wieder mit Crazy Horse, sind hart-klingend und stoßen auf positive Reaktionen.

Endgültig zurück ist er 1992 mit "Harvest Moon", ein Album, das nahtlos an das '72er "Harvest" anknüpft. Die akustische Phase setzt sich 1993 mit "Unplugged" fort. Nach dem Selbstmord Cobains ist er allerdings auch ein Begriff für jüngere Bands und Generationen; das Ergebnis ist "Mirrorball" (1995), in Zusammenarbeit mit Pearl Jam. In nur vier Tagen geschrieben und aufgenommen, ist es das Zeugnis eines Young in Bestform: Es rockt gewaltig und bringt ihm einen Grammy als 'Best Male Rock Vocal Performer' ein.

1996 erscheint erst der Soundtrack zu Jim Jarmushs Film "Dead Man," anschließend "Broken Arrow," mal wieder mit Crazy Horse. Der Regisseur bedankt sich mit dem Film "Year Of The Horse," eine Liveaufnahme, die 1997 mit dem gleichnamigen Album erscheint.

Nach der nicht recht gelungenen Reunion mit CSN im Jahre 1999 erscheint im Frühjahr 2000 das akustische Meisterwerk "Silver And Gold", von Kritikern und Käufern gleichermaßen gefeiert. Danach begibt sich Young mit wechselnder Besetzung auf eine ausgedehnte Welttour, deren erster Teil auf dem Livealbum "Road Rock Volume I" dokumentiert ist. Tief erschüttert von den Anschlägen am 11. September 2001, entdeckt der kanadische Musiker den großen Patrioten in sich: Neben einem Auftritt beim Benefizkonzert im Madison Square Garden, wo er John Lennons "Imagine" interpretiert, nimmt er mit Willie Nelson, Mariah Carey, Tom Petty und anderen eine neue Version von "America The Beautiful" auf. Auf seinem neuen Album "Are You Passionate?" (2002) ist zudem das Lied "Let's Roll" den Passagieren des einzigen Flugzeug gewidmet, das bei den Anschlägen in den USA nicht das angepeilte Ziel traf, sondern in Pennsylvania abstürzte.

Wenn man die Platten dazu zählt, die Neil Young mit Buffalo Springfield und CSN aufgenommen hat, kommt man in 35 Jahren Karriere auf über 40 offizielle Veröffentlichungen - darunter nur eine 'Best-Of.' Die Schreibfreude des Musikers löst nach wie vor Begeisterung bei den Fans und Bangen bei seiner Plattenfirma aus: In den Kellern lagern die Tapes von unzähligen Aufnahmen, die nie auf den Markt gekommen sind. Seit Jahren wird die Veröffentlichung der "Archives" verkündet, ein Werk, dessen Umfang ungefähr dem des schon erschienenen gleichen sollte. Vielleicht ist es ja 2002 so weit.

2002 Are You Passionate?
2000 Road Rock Volume I
2000 Silver And Gold
1999 Looking Forward
1997 Year Of The Horse
1996 Broken Arrow
1996 Dead Man
1992 Harvest Moon
1990 Ragged Glory
1989 Freedom
Eingetragen
17.Jul.2002 11:07:38
Letzer Aufruf
16.Jun.2004 11:06:55
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